Verantwortung in einer sensiblen Debatte
Die in den letzten Tagen öffentlich angezettelte Diskussion rund um die nächtliche Schließung der Notaufnahmen in Ostbelgien zeigt, wie sensibel dieses Thema für unsere Region ist. Es geht dabei nicht nur um strukturelle Fragen im Gesundheitswesen, sondern um die Sicherheit von über 1.200 Beschäftigten in diesem Sektor und vor allem um das Vertrauen der Bevölkerung in unsere Krankenhäuser.
Diese Debatte findet in einem Kontext statt, in dem auf föderaler Ebene grundlegende Reformüberlegungen angestoßen wurden, deren politische Ausgestaltung noch nicht abgeschlossen ist. Gesundheitsminister Frank Vandenbroucke hat in diesem Zusammenhang mehrfach betont, dass es zunächst um eine Neuausrichtung und stärkere Zusammenarbeit im Krankenhauswesen geht und nicht um vorschnelle Einzelentscheidungen. Gerade deshalb ist es wichtig, klar zwischen Überlegungen, Prüfaufträgen und tatsächlichen Entscheidungen zu unterscheiden.
In diesem Zusammenhang sollte auch die Einordnung aus dem Verwaltungsrat des Eupener Krankenhauses berücksichtigt werden. Dort wurde in einer Stellungnahme darauf hingewiesen, dass derzeit noch keine konkreten Beschlüsse vorliegen und es wichtig ist, die weitere Entwicklung mit der nötigen Ruhe zu begleiten.
In einer Phase, in der noch viele Fragen offen sind, trägt die öffentliche Kommunikation eine besondere Verantwortung. Aussagen werden aufmerksam wahrgenommen und haben direkte Auswirkungen auf die Bevölkerung, aber auch auf das Personal, das täglich eine hochwertige Versorgung sicherstellt.
Alle Beteiligten sind gefordert, diese Diskussion sachlich und mit dem notwendigen Augenmaß zu führen. Die Sicherstellung einer starken, wohnortnahen und auch in deutscher Sprache zugänglichen Gesundheitsversorgung für die Menschen in Ostbelgien muss dabei im Mittelpunkt stehen.
Unser Ziel sollte es sein, konstruktiv an Lösungen zu arbeiten und unnötige Verunsicherung zu vermeiden. Bei einem so wichtigen Thema braucht es Verlässlichkeit, Transparenz und ein gemeinsames Vorgehen. Effekthascherei ist hier fehl am Platz.
Ich fordere daher alle politischen Instanzen und alle Akteure aus dem Gesundheitswesen der Deutschsprachigen Gemeinschaft auf, diesen für unsere Gemeinschaft sicherlich nicht einfachen Weg gemeinsam und im sachlichen Dialog weiterzugehen.
José Grommes
ProDG-Fraktion