#wearebelgium

Die Terroranschläge in Brüssel haben unser Land und jeden einzelnen von uns zutiefst geschockt und getroffen. Auch wenn die Gefahr bekannt war und Brüssel im Herzen Europas immer als potenzielles Ziel galt, die Betroffenheit bleibt groß.

Inmitten von Trauer, Mitgefühl und großem Zusammenhalt gewinnt die Schuldfrage an Bedeutung. Wer trägt die Schuld an dem, was passiert ist? Brüssel selbst mit seinen Randgemeinden? Der belgische Staat und sein komplizierter Aufbau? Der Islam? Religion? Die Polizei? Mangelnde Zusammenarbeit? Mangelnder Zusammenhalt auf EU-Ebene?

Wahrscheinlich besteht die Antwort aus all diesen Aspekten und es dürften noch viele mehr sein. Denn Tatsache ist, dass Fehler gemacht worden sind, Integration nicht genug gefördert wurde, die Kommunikation zwischen den Instanzen auf föderaler Ebene mangelhaft war, die EU Staaten lieber die Fehler bei ihren Nachbarn suchen als in den eigenen Reihen. Und dennoch, eine Patentlösung, Terroranschläge zu verhindern, existiert nicht. Das hat bis dato noch kein Staat geschafft. Selbst die Staaten nicht, in denen es kein Molenbeek gibt, keine komplizierte Staatsstruktur und „keine“ Pannen. Jetzt einen Schuldigen zu suchen und an den Pranger zu stellen ist der falsche Weg.

Belgien ist kein gescheiterter Staat! Auch wenn Fehler gemacht worden sind, hat dieses Land viele Erfolge vorzuweisen. Unser Föderalismusmodell ist kompliziert, allerdings ermöglicht es verschiedene Kulturgruppen auf einem relativ kleinen Gebiet zusammenzubringen.

Was aber gilt es jetzt zu tun? Wir müssen es schaffen, die Geschehnisse zu analysieren und rational zu betrachten, nicht emotional oder gar unüberlegt zu reagieren. Das ist die wohl schwierigste und größte Herausforderung: nicht pauschalisieren, nicht viele für die Taten einiger weniger verantwortlich machen, Flüchtende nicht mit Terroristen gleichsetzen und Muslime nicht mit Islamisten. Unsere Aufgabe ist es die Gesellschaft zusammenzuhalten, in Bildung und Integration zu investieren, Chancengleichheit zu garantieren, Jugendarbeitslosigkeit zu bekämpfen, Perspektiven zu bieten und jene zu unterstützen, die an den Rand unserer Gesellschaft rutschen. Diese Aufgabe muss auf EU-Ebene wahrgenommen werden, in den einzelnen Mitgliedstaaten, auf allen institutionellen Ebenen bis hin zu den Gemeinden. Und zuletzt und ganz entscheidend: jeder Einzelne ist gefordert! Es gilt unsere Freiheit zu bewahren und das funktioniert nicht durch Abschottung und Ausgrenzung, sondern durch gemeinsame, entschiedene Bekenntnis zu den humanistischen Grundwerten unserer Verfassung bei gleichzeitiger Offenheit und Verständnis füreinander.

Liesa Scholzen

Alfons Velz

Lydia Klinkenberg

Freddy Cremer

Petra Schmitz

Wolfgang Reuter