September 2012: Schule & Ausbildung im Zentrum der Politik

Fast zeitgleich mit dem neuen Schuljahr beginnt auch die neue Sitzungsperiode des DG-Parlaments.

Auch in der kommenden Sitzungsperiode werden Ausbildung und Unterricht im Mittelpunkt der Gemeinschaftspolitik stehen. Gerade in Krisenzeiten gilt mehr denn je der Grundsatz, dass jede Investition in Schule und Ausbildung die beste Arbeitsmarkt- und die effizienteste Sozialpolitik ist.

Leitmotive dieser Bildungspolitik sind einerseits das Streben nach der optimalen Bildungsgerechtigkeit für jeden Schüler und jeden Auszubildenden – alle Kinder und Jugendlichen sollen bestmöglich gefördert und gefordert werden – und andererseits die größtmögliche Transparenz für alle am Bildungsprozess beteiligten Akteure: für Schüler und Auszubildende, für Eltern und für Lehrer.

Zur Erreichung dieser doppelten Zielsetzung wurde in Zusammenarbeit mit vielen Bildungswissenschaftlern seit 2004 ein Gesamtkonzept er­ar­beitet, das seitdem Schritt für Schritt umgesetzt wird. Dieses Konzept umfasst drei Säulen:

die Autonomie und die Verantwortung jeder Schule für den eigenen Schulentwicklungsprozess,
die gesetzliche Festlegung klarer Rahmenbedingungen und der Aufbau effizienter Unterstützungsangebote und
die Einführung neuer Instru­mente zur Qualitätssicherung und Qualitätsprüfung von Schule und Unterricht. Alle Maßnahmen sind miteinander verzahnt. Wird eine Säule vernachlässigt, gerät das gesamte Bildungssystem in eine Schieflage.
An dieser Stelle seien nur zwei (zeitnahe) Reformen erwähnt.

In der vergangenen Sitzungsperiode wurden per Dekret die Aufgaben der Schulinspektion (SI) neu definiert und die Schul­ent­wick­lungs­be­ratung (SEB) ins Leben gerufen, um die Schulen bei der Umsetzung des internen Schulentwicklungsprozesses zu beraten und zu unterstützen.

In wenigen Monaten werden die Rahmenpläne für die 2. und die 3. Stufe der Sekundarschule im Parlament behandelt. Diese Rahmenpläne legen die Anforderungen für alle Unterrichte pro Jahrgangsstufe fest. Sie erleichtern somit die konkrete Unterrichtgestaltung in den Fach­gruppen und den methodischen und inhaltlichen Unterrichtsaufbau vom ersten Primar- bis zum 6. Sekundarschuljahr. Für Schüler, Lehrer und Eltern legen die Rahmenpläne transparente Anforderungskriterien fest und leisten somit einen wesentlichen Beitrag zur Bildungs­ge­rech­tigkeit.

Dabei darf nie vergessen werden, dass die erfolgreiche Umsetzung dieser Reformen ausreichend Zeit benötigt. Keine dieser Maßnahmen soll mit der dekretalen Brechstange durchgesetzt werden. Ein aus­reichendes Zeitkontingent und das Angebot effizienter Unter­stützung und Beratung sind wichtige Voraussetzungen für das Gelingen dieser Reformen. Es darf kein lähmender Reformdruck bei den Lehrern ent­stehen. Im Gegenteil, eine gehörige Portion Gelassenheit und päda­go­gisch-didaktischer Kreativität sind gefordert.

Dekrete sind kein Selbstzweck. Sie schaffen lediglich den gesetzlichen Rahmen. Was wirklich zählt, ist die Arbeit der Lehrer mit den Schülern in jeder einzelnen Unterrichtstunde. Dieser Grundsatz ist die einzige Richt­schnur erfolgreicher Bildungspolitik.

Freddy Cremer
ProDG-Fraktion