Mai 2013 – Rahmenpläne und Bildungsgerechtigkeit

Ende April wurden im Parlament der Deutschsprachigen Gemeinschaft die Rahmenpläne für die zweite und die dritte Stufe der Sekundarschule verabschiedet. Diese bauen auf die  bereits seit 2008 bestehenden Rahmenpläne für die Primarschule und die erste Stufe der Sekundarschule auf. Damit wird eine wesentliche Voraussetzung für aufbauendes Lernen vom ersten Primarschuljahr bis zum Abiturjahr geschaffen. Durch diesen kumulativen Aufbau werden Brüche an den wichtigen Nahtstellen der Schülerlaufbahn verhindert. Diese Feststellung gilt allgemein für Stufenübergänge und besonders für den Übergang von der Primar- zur Sekundarschule.

Was sind Rahmenpläne? Rahmenpläne legen sowohl die Kompetenzen als auch die wesentlichen Themenfelder fest, die ein Schüler am Ende einer bestimmten Jahrgangsstufe erworben haben muss. Innerhalb dieser Themenfelder ist jeder Lehrer und jede Fachgruppe aufgefordert, für das eigene Unterrichtshandeln Schwerpunkte zu setzen. Rahmenpläne schaffen – wie es der Name bereits sagt – allgemein verbindliche Rahmenbedingungen für die  konkrete Unterrichtsplanung und für das konkrete Unterrichtshandeln.

Sie leisten somit einen wesentlichen Beitrag zur Bildungsgerechtigkeit, weil sie Unterrichtsanforderungen für alle Akteure – für Schüler, für Lehrer und für die Erziehungsberechtigten – klar ersichtlich machen. Damit wird eine große Transparenz geschaffen.

Rahmenpläne, in denen Kompetenzerwartungen und Themenfelder festgelegt werden, sind  kein starres und einengendes Korsett, das pädagogische oder didaktische Kurzatmigkeit verursacht. Das Gegenteil ist der Fall. Rahmenpläne schränken die pädagogische und methodische Freiheit und Kreativität des einzelnen Lehrers oder der Fachgruppe nicht ein. Jeder Lehrer und jede Fachgruppe ist aufgefordert, bei der Umsetzung der Rahmenpläne das gesamte „Arsenal“ pädagogisch-didaktisch-methodischen Könnens einzusetzen und inhaltliche Schwerpunkte festzulegen. Rahmenpläne sind also das Gegenteil von „Checklisten“ oder kleinlichen Unterrichtsvorgaben.

Rahmenpläne stellen auch die bisherige Unterrichtspraxis keineswegs auf den Kopf. Mit den vorliegenden Rahmenplänen wird die Welt des Unterrichtens nicht neu erfunden. Sie systematisieren lediglich eine bereits vielerorts bestehende Unterrichtspraxis. Vieles von dem, was Lehrer bisher im Unterricht tun, wird auch morgen seine Gültigkeit behalten. Auch heute wird bereits in vielen Unterrichten kompetenzorientiert unterrichtet und die in den vorliegenden Rahmenplänen festgelegten Themenfelder werden auch gegenwärtig im Unterricht behandelt.

Damit die flächendeckende Umsetzung der Rahmenpläne gelingt, bedarf es neben umfangreicher Unterstützungsangebote in Form von Weiterbildungen auch einer guten Portion Gelassenheit und des sprichwörtlichen langen Atems.

 

Freddy Cremer
ProDG-Fraktion im PDG