Juni 2013 – Neue Armut in der DG

Im Rahmen einer von der ProDG-Fraktion eingereichten Interpellation befasste sich das Parlament Ende April ausführlich mit dem Thema der Armut und der Prekarität in der DG. Der Begriff „Prekarität“ beschreibt die Lebenssituation von Menschen, die aufgrund von anhaltender Arbeitslosigkeit oder unsicheren Arbeitsverhältnissen ihre Grundbedürfnisse – u.a. Ernährung, Wohnung, Gesundheitsvorsorge, Bildungschancen, Teilhabe an der Kultur und Vorsorge fürs Alter – nicht mehr ausreichend befriedigen können. Besonders betroffen von dieser neuen Armut sind Langzeitarbeitslose, alleinerziehende Frauen, Jugendliche zwischen 16 und 25 und ältere Menschen mit geringen Renten.
Die seit 2008 andauernde Wirtschaftskrise und deren soziale Auswirkungen verlangen einen veränderten Blick auf die Armut und ein öffentliches Bewusstsein für die Situation der betroffenen Personen. Vieles deutet darauf hin, dass die Kluft zwischen Arm und Reich in Westeuropa in den letzten Jahren weiter zugenommen hat und ein Ende dieser Entwicklung nicht in Sicht ist. Die Zahlen belegen, dass diese Entwicklung auch an der DG nicht spurlos vorbeigegangen ist. Im Jahre 2012 ernährten sich im Monatsdurchschnitt 1.723 Menschen mit der Unterstützung von Lebensmittelpaketen der deutschsprachigen Lokalsektionen des Belgischen Roten Kreuzes – im Vergleich zu 2009 ein Anstieg von fast 24%. Die Zahl der Empfänger von Eingliederungseinkommen und gleichgestellter Sozialhilfe ist von 2007 bis 2011 von 1.175 auf 1.660 Empfänger gestiegen – eine Zunahme von 41%.
Die Öffentlichen Sozialhilfezentren (ÖSHZ) und die Lokalsektionen des Roten Kreuzes sind wie Seismographen, die die Auswirkungen der anhaltenden Wirtschaftskrise aufzeichnen. Die Angaben der ÖSHZ und des Roten Kreuzes belegen, dass Prekarität und neue Armut nicht vor den Grenzen unserer Gemeinschaft Halt machen und eine große Herausforderung für alle politisch Verantwortlichen – auf kommunaler wie auf Gemeinschaftsebene – darstellen. Dabei steht neben der direkten Hilfe die Prävention im Mittelpunkt. Doch gibt es weder einfache Lösungen noch Patentrezepte im Kampf gegen Armut. Die nachhaltige Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung ist eine Querschnittaufgabe, die auf allen Ebenen erfolgen muss: Soziales, Unterrichtswesen, Familie, Jugendhilfe, Gesundheit, Senioren, Erwachsenenbildung, Kultur, Jugend und Beschäftigung. Doch die wichtigste Voraussetzung für die Erstellung eines gesellschaftspolitischen Gesamtkonzepts in diesem Bereich ist die aktive Einbeziehung aller betroffenen Menschen.
Mit zwei Benefizveranstaltungen in der kommenden Woche möchte ProDG die Arbeit der deutschsprachigen Sektionen des Roten Kreuzes unterstützen.
Freddy Cremer
ProDG-Fraktion im PDG