August 2013 – Die Basis unserer Autonomie

In Zeiten, in denen die sechste Staatsreform der Deutschsprachigen Gemeinschaft neue wichtige und weitreichende Zuständigkeiten beschert, liegt die Gefahr nahe, die Grundfesten unserer Autonomie etwas aus den Augen zu verlieren. Dabei hilft es, sich an die erste verfassungsmäßig festgeschriebene Bezeichnung zu erinnern: die deutsche Kulturgemeinschaft. Sprache und Kultur sind unzweifelhaft unsere Alleinstellungsmerkmale.

Das stimmt nicht nur in der Theorie: Das kulturelle Leben in der Deutschsprachigen Gemeinschaft wird von einer Vielzahl von kulturellen Organisationen und Vereinen geprägt. Die Gemeinschaft zählt rund 200 Amateurkunstvereine mit mehr als 5.500 Mitgliedern. Dazu zählen
unter anderem Musikvereine, Orchester, Chöre, Spielmannszüge, Theater- oder Tanzgruppen.

Doch es gibt auch andere Akteure, die sich um Kultur, Folklore und Brauchtum verdient machen. Traditionsreiche und dynamische Karnevalsgesellschaften, aktive Geschichtsvereine, zahlreiche Dorfgruppen, kreative Ateliers sowie die Junggesellenvereine nehmen eine wichtige Rolle im Eigenleben der DG wahr. Schließlich wächst auch die Zahl derer, die sich den bildenden Künsten verschrieben haben. Zahlreiche Ausstellungen im Jahreskreis zwischen Kelmis und Ouren sind sichtbare Beweise dafür.

All diese Komponenten bilden die sprudelnde Basis, den reichen Nährboden für Entstehung, Existenz und Schaffenskraft von Kulturschaffenden – Gruppen wie Einzelkünstler – und Kulturträgern, die ihrem Auftrag und ihrer Berufung inzwischen professionell nachgehen.

In den letzten Jahrzehnten ist trotz nicht immer einfacher Begleitumstände eine breite Palette von Angeboten und künstlerischen Produktionen entstanden, die jegliche Zweifel an der Relevanz der Kulturautonomie ausräumen. Auf diese Schaffenskraft dürfen wir zurecht stolz sein.

40 Jahre nach der Einsetzung des Rates der deutschen Kulturgemeinschaft ist die Zeit daher mehr als reif für das so oft schon zitierte Kulturdekret.

In diesem neuen Regelwerk sollen alle bisherigen Bestimmungen und Vereinbarungen kohärent zusammengeführt werden.

Das Dekret räumt allen Akteuren bei Festlegung der Mindestanforderungen in gleichem Maße lebensnotwendige Planungssicherheit, umfangreiche künstlerische Freiheit ein und wertet auch finanziell den Sektor bedeutend auf.

Davon haben sich die Beteiligten in der Konzertierungsphase nicht nur ein Bild machen können, sie waren aktiv am Entstehungsprozess beteiligt.

Der Kulturausschuss im Parlament wird sich zu Beginn der Sitzungsperiode aktiv an diesen Prozess beteiligen und die ProDG-Fraktion wird die Interessen der Kulturschaffenden bestmöglich vertreten.

Petra Schmitz
ProDG-Fraktion im PDG